Bilder der Taichischule Münster

Die Klassische Chinesische Philosophie

Wenn wir uns mehr und mehr mit der Praxis des Taichi Chuan oder des Qigong beschäftigen, wächst die Neugier auf die Kultur, aus der uns diese kostbaren Übungen überliefert wurden. Die geistigen Grundlagen des Qigong und des Taichi Chuan entstammen dem Daoismus, dem Konfuzianismus und dem Buddhismus.

Insbesondere das I Ging, „Das Buch der Wandlungen“ ist für die Praxis der Übungen eine große Bereicherung. Das I Ging möchte nicht wie ein Philosophie-Buch gelesen werden – es möchte angewendet werden, indem es befragt wird. In einem festgelegten Ritual durch das Teilen von Schafgarbenstengeln (oder das Werfen von Münzen) wird ein Hexagramm erstellt, das vor dem Hintergrund der Frage interpretiert werden muss. Es gibt keine fertigen Antworten, sondern das I Ging fordert uns zu Innenschau und kritischer Selbst-Reflektion heraus.

Es gibt über das I Ging und seinen berühmten Übersetzer Richard Wilhelm einen wunderbaren Film: „Wandlungen“ (siehe unter „Lehrer, Freunde, Links“ bei Henrik Jäger)

Im Gegensatz zu unserer westlichen Philosophie gibt es in der Klassischen Chinesischen Philosophie, insbesondere im Daoismus keine Dogmen, keine statischen Festschreibungen oder Ergebnisse, die eine bestimmte geistige Richtung auszeichnen und abgrenzen gegen andere Richtungen. Ebenso wie beim Taichi ist auch hier alles im Fluss. Die Dinge werden immer im Wandel gesehen, immer in Abhängigkeit von ihrem Wesen, von ihrer Umwelt, ihrer Zeit.

Der Konfuzianismus steht entgegen populärer Auffassung nicht im Widerspruch zum Daoismus, und auch nicht im Widerspruch zur Praxis des Taichi Chuan und Qigong. Wenn es bei Konfuzius mehr um Form und Regeln geht, während es bei den Daoisten mehr um den Fluss der Energie, die Verbundenheit mit der Natur geht, so finden wir beide Aspekte auch in unseren Übungen: Sie bestehen aus Formen, die den Energiefluss ermöglichen. Vor dieser großen Offenheit der klassischen Chinesischen Philosophie liegen die Parallelen zur Christlichen Mystik nahe. Dieses spannende Thema kann uns auf dem Umweg über die uralten chinesischen Texte mit einem neuen Blick zu unseren Christlichen Wurzeln zurückführen – vorausgesetzt wir schauen selbst offenen Geistes auf diese Parallelen.

Kurse zur Chinesischen Philosophie finden einmal pro Semester in der Taichi-Schule statt. Themen sind unter anderem auch die Schriften von Laotse und Dschuangdsi. Sie werden von Dr. Henrik Jäger geleitet.